GmbH-Gründung – Alles über Rechtsformen

16. Januar 2019

Die Wahl der optimalen Rechtsform ist ein ganz entscheidender Faktor für den langfristigen Erfolg Ihres Unternehmens. Welche Rechtsform für Ihr Unternehmen die optimale ist, hängt allerdings von vielen Faktoren ab. In Österreich gibt es keine einheitliche Unternehmensbesteuerung. Für die einzelnen Rechtsformen gelten teilweise ganz unterschiedliche Steuervorschriften:

  • Einzelunternehmen (EU)
  • Kapitalgesellschaften (zB GmbH, AG)
  • Personengesellschaften (zB OG, KG, GesbR, atypisch stille Gesellschaft, GmbH&CoKG)

Welche Steuern sind bei der GmbH-Gründung zu beachten?

Was gilt es steuerlich bei der GmBH vor allem für Gründer zu beachten? Besonders Neugründer können schon ab der Planungsphase der Gründung beginnen Steuern des Unternehmens zu senken.

1. GmbH-Anteile: KESt

Die Kapitalertragsteuer (KESt) beträgt bei Gesellschaften mit beschränkter Haftung 27,5 % insbesondere für Gewinnausschüttungen (Dividenden) und Veräußerungsgewinne von Kapitalvermögen.

25 % KESt gelten im Wesentlichen nur noch für Zinsen aus Sparguthaben. In der folgenden Übersicht finden Sie die wesentlichen  Bestimmungen der Besteuerung von inländischen GmbH-Anteilen natürlicher, inländischer Personen. Dabei sind folgende Unterscheidungen besonders wichtig:

  • einerseits zwischen der Besteuerung laufender Erträge (Dividenden etc.) und der Besteuerung der Substanz (im Wesentlichen Veräußerungsgewinne) und
  • andererseits zwischen der Besteuerung von Privatvermögen und Betriebsvermögen.
Übersicht zur Besteuerung von inländischen GmbH-Anteilen
Privatvermögen Betriebsvermögen
Einkünfte laufend Veräußerung laufend Veräußerung
27,5% KESt-Abzug Ja Nein Ja Nein
Endbesteuerung KESt Ja Ja
27,5% ESt-Sondersteuer Ja Ja
bis 55% ESt-Tarif bei Regelbesteuerung bei Regelbesteuerung
Verlustausgleich
mit anderen
Kapitaleinkünften
zB mit Dividenden, Anleihezinsen,
Fondsausschüttungen,
Veräußerungsgewinnen aus
Anleihen, Aktien, Derivaten;
zB nicht mit: Sparbuchzinsen,
Zuwendungen aus Privatstiftungen
zu 100 % mit bestimmten
Substanzgewinnen, Rest zu
55 %; zB nicht mit: Dividenden,
Sparbuchzinsen (außer bei
Regelbesteuerung)
Verlustausgleich
mit übrigen Einkünften
Nein Ja, zu 55%
Verlustvortrag Nein Ja, Überhang (bis zu 55%)
Werbungskosten/
Betriebsausgaben
Nein Nein
Anschaffungs-
nebenkosten
Nein Ja
Teilwertabschreibungen Nein Ja

2. Mindest-KöSt bei AG & GmbH

Die sogenannte Mindest-KöSt (gesetzlich: Mindeststeuer; kurz: MiKö) fällt für unbeschränkt steuerpflichtige Kapitalgesellschaften (AG  und GmbH) und vergleichbare ausländische Körperschaften (zB Limited) an. Sie beträgt generell 5 % des gesetzlichen Mindestkapitals.

Gründungsprivilegien

Für ab 1. März 2014 gegründete GmbHs wurde eine sog. Gründungsprivilegierung geschaffen, die darin besteht, dass trotz des  Mindeststammkapitals von EUR 35.000 in den ersten zehn Jahren ab Gründung der Gesellschaft lediglich eine Stammeinlage von EUR  10.000 aufzubringen ist (zur Hälfte bar, somit also mindestens EUR 5.000). In dieser Zeitspanne von zehn Jahren muss jedoch  wieder auf das volle Mindeststammkapital von EUR 35.000 (bar mindestens EUR 17.500) aufgestockt werden.

Rechtsform Gründung Mindest-Nennkapital %-Satz für MiKö MiKö in den ersten 5 Jahren
GmbH ab 1.7.2013 35.000 EUR 5% 500 EUR
GmbH bis zum 30.6.2013 35.000 EUR 5% 1.750 EUR
AG 70.000 EUR 5% 3.500 EUR
Betrag pro Quartal MiKö in den folgenden 5 Jahren Betrag pro Quartal MiKö ab 11. Jahr Betrag pro Quartal
125 EUR 1.000 EUR 250 EUR 1.750 EUR 437,5 EUR
437,5 EUR 1.750 EUR 437,5 EUR 1.750 EUR 437,5 EUR
875 EUR 3.500 EUR 875 EUR 3.500 EUR 875 EUR

3. Gesellschafter-Verrechnungskonto

Auch wenn die Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes bezüglich Kredite an Gesellschafter in jüngerer Zeit „etwas großzügiger“ geworden ist, beschäftigen sich die Finanzbehörden häufig mit dem Thema der „Fremdüblichkeit“: Damit Leistungsbeziehungen zwischen Gesellschaft und Gesellschaftern (Mietverträge, Pachtverträge, Kredite etc.) abgabenrechtlich anerkannt werden, ist  entscheidend, dass sie zu den gleichen Bedingungen erfolgen, die auch zwischen gesellschaftsfremden Personen üblich sind (sog.  fremdübliche Bedingungen).

Daher sollte besonders auf die Einhaltung des Fremdvergleichsgrundsatzes geachtet werden, wichtige Aspekte sind:

  • Abschluss eines schriftlichen (Kredit-)Vertrages vor dem Leistungsaustausch,
  • eindeutiger und klarer Inhalt der Vereinbarung (Regelung über fremdübliche Verzinsung und Laufzeit, klare Rückzahlungs- und  Kündigungsregelungen, Bestellung allfälliger Sicherheiten, etc.),
  • Dokumentation der Leistungsabwicklung.

Weitere Tipps dazu finden Sie im 1×1 der Steuern

4. Gruppenbesteuerung: Gewinne und Verluste

Gruppenbesteuerung bedeutet vereinfacht, dass die steuerlichen Ergebnisse (Gewinne und Verluste) von zwei oder mehr  Gesellschaften unter bestimmten Voraussetzungen für steuerliche Zwecke zusammengerechnet werden dürfen. Die  Gruppenbesteuerung bietet daher Vorteile bei der Verrechnung von laufenden Verlusten bzw. Vorlustvorträgen (siehe dazu Punkt II/6.  „Verlustverrechnung und -abzug“).

Für Anschaffungen von Beteiligungen an GmbHs und AGs nach dem 28. Februar 2014 kann eine Firmenwertabschreibung nicht mehr geltend gemacht werden. Dagegen können für Beteiligungen, die vor dem 1. März 2014 angeschafft wurden – grundsätzlich auch für EU-Gesellschaften, sofern das betreffende Steuerjahr noch „offen“ ist – in der Regel auch künftig noch offene Fünfzehntel aus der  Firmenwertabschreibung geltend gemacht werden, wenn die Gesellschaft rechtzeitig in die Gruppe einbezogen wurde.

5. Gewinnausschüttung versus Einlagenrückzahlung

Für Gewinnausschüttungsbeschlüsse gilt grundsätzlich das Wahlrecht  zwischen Einlagenrückzahlung und Gewinnausschüttung.  Voraussetzung für eine (steuerneutrale) Einlagenrückzahlung ist das Vorliegen eines positiven disponiblen Einlagenstandes (d.EL). Voraussetzung für eine (idR KESt-pflichtige) Gewinnausschüttung ist grundsätzlich eine positive disponible Innenfinanzierung (d.IF) –  also die Bereitstellung von Mitteln aus dem Unternehmen selbst heraus, konkret aus der sogenannten Gewinnthesaurierung. Deshalb  sind die Evidenzierungspflichten für den Einlagenstand und die Innenfinanzierung unbedingt zu beachten. Beim Evidenzkonto der  Innenfinanzierung bleiben verdeckte Einlagen, erhaltene Einlagenrückzahlungen und ausschüttungsgesperrte Beträge außer Betracht.

Das BMF hat eine neue Unterteilung in sogenannte

  • disponible und
  • indisponible Eigenkapitalbestandteile vorgenommen.

Diese setzen sich grundsätzlich wie folgt zusammen:

indisponible Eigenkapitalbestandteile disponible Eigenkapitalbestandteile
eingefordertes Nennkapital (ind.EL) nicht gebundene Kapitalrücklagen (d.EL)
gebundene Kapitalrücklagen (ind.EL) freie Gewinnrücklagen (d.IF)
gesetzliche Gewinnrücklagen (ind.IF) Bilanzgewinn (d.IF)

Steuertipp: Soweit steuerliche disponible Einlagen zB in nicht gebundenen Kapitalrücklagen enthalten sind, können diese – bei ausreichend hohem ausschüttungsfähigen Bilanzgewinn – auch ohne Auflösung der Kapitalrücklage KESt-frei an die Gesellschafter zurückbezahlt werden.

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