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22. Juni 2026
Lesezeit: 4
min.
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Betriebsprüfungen & VAT Risk Management – Wie Sie Überraschungen in der Umsatzsteuer vermeiden
Betriebsprüfungen im Bereich der Umsatzsteuer haben in den letzten Jahren deutlich an Intensität und Komplexität gewonnen. Gleichzeitig steigt das Risiko, dass Fehler nicht nur zu Steuernachforderungen, sondern auch zu finanzstrafrechtlichen Konsequenzen führen können. In Zeiten von ständiger Budgetnot ist es aus Sicht der Verwaltung auch ein gelinderes Mittel durch Finanzstrafverfahren das Steueraufkommen zu erhöhen. Ein strukturiertes VAT Risk Management wird daher zunehmend zum entscheidenden Erfolgsfaktor.
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Warum die Umsatzsteuer besonders risikobehaftet ist?
Während Ertragsteuern häufig strategisch geplant werden, laufen die Umsatzsteuer wie auch alle anderen indirekten Steuern im Tagesgeschäft „nebenbei“. Genau hier liegt die Gefahr. Im Gegensatz zu vielen anderen Steuerarten ist die Umsatzsteuer aktuell durch eine hohe Dynamik und zahlreiche Detailregelungen geprägt. Fehler entstehen dabei häufig nicht bewusst, sondern im Rahmen operativer Prozesse.
Typische Risikobereiche sind:
- Falsche Leistungsortbestimmung
Diese Fehlerquelle beobachten wir im Rahmen unserer Beratungstätigkeit im internationalen Geschäft besonders häufig, sowohl bei Warenlieferungen als auch Dienstleistungen.
- Fehlerhafte Behandlung von innergemeinschaftlichen Lieferungen
Sowohl Dreiecksgeschäfte als auch Reihengeschäfte sind in diesem Zusammenhang besonders fehleranfällig.
- Doppelerwerb im Rahmen des Einkaufs im internationalen Geschäft aufgrund der Nutzung einer „falschen“ UID-Nr.
Im Rahmen des innergemeinschaftlichen Warenverkehrs ist immer die richtige UID-Nr. entsprechend des Zielortes der Warenbewegung anzugeben. Anderenfalls liegt ein sogenannter doppelter Erwerb, bei dem die Umsatzsteuer leicht zum Kostenfaktor wird, vor.
- Warenlieferungen an „Private“ werden im falschen Land besteuert
Es vergeht fast keine Woche, dass wir nicht eine Selbstanzeige für im falschen Land versteuerte Warenlieferungen erstellen müssen.
- Fehlerhafte Behandlung von Vorleistungen mangels richtiger Zuordnung zu steuerpflichtigen Umsätzen und deren Nachweise
Werden sowohl steuerpflichtige als auch unecht befreite Leistungen erbracht, ist diese Zuordnung und insbesondere der Nachweis von besonderer Bedeutung. Nur ein Beispiel von vielen ist der Verkauf oder die Vermietung von Immobilien.
- Unzulässiger Vorsteuerabzug aufgrund formaler MängelAuch wenn dem wirtschaftlichen Gehalt von Leistungsbeziehungen ein erhöhtes Gewicht zukommt, kann bei schwerwiegenden formalen Mängeln der Vorsteuerabzug versagt werden.
Unzureichende Dokumentation (zB Nachweise für Steuerbefreiungen)
Diese Fehlerquellen und noch viele andere stehen immer mehr im Fokus von Außenprüfungen, weil einerseits die Finanzverwaltung diese Fehlerquellen auch kennt und andererseits diese Fehler durch Automatisierung, Verwertung von Big Data sowie Implementierung von künstlicher Intelligenz ohne Einsatz leichter identifiziert werden können.
Was die Finanzverwaltung prüft?
Im Rahmen von Betriebsprüfungen wird zunehmend systematisch vorgegangen. Neben Einzelfallprüfungen liegt der Fokus verstärkt auf:
- Datenanalysen (zunehmend digitalisiert)
- Plausibilitätsprüfungen ganzer Buchhaltungssysteme
- Überprüfung interner Prozesse
- Abgleich von Meldungen (UVA, ZM, OSS etc.)
Damit verschiebt sich der Fokus der Finanzverwaltung klar von der Einzelfallbetrachtung zu einem prozessorientierten Prüfungsansatz. Dieser Trend wird sich durch die geplanten Änderungen wie elektronische Rechnung für grenzüberschreitende Leistungen sowie verstärkte Zusammenarbeit der Finanzverwaltungen noch signifikant verschärfen.
VAT Risk Management: Der Schlüssel zum Erfolg und zur Vorbereitung einer Betriebsprüfung!
Ein wirksames Umsatzsteuer-Risikomanagement basiert ausgehend von der umsatzsteuerlichen Strukturierung von Businessmodellen und der laufenden Anpassung auf drei zentralen Elementen:
- Organisation & Verantwortlichkeiten
- Klare Zuständigkeiten für umsatzsteuerliche Themen
- Abteilungsübergreifende (zB Finance, Vertrieb, Einkauf) bzw. interne Abstimmung
- Laufende Schulung von Mitarbeiter:innen
- Prozesse & Kontrollen
- Standardisierte Abläufe bei Rechnungsprüfung und Verbuchung
- Regelmäßige Plausibilitätschecks und Verprobungen
- Vier-Augen-Prinzip bei kritischen Geschäftsfällen
- Technologie & Analyse
- Einsatz von IT-gestützten Kontrollsystemen
- Automatisierte Auswertungen von Steuercodes und Buchungen
- Frühzeitige Identifikation von Abweichungen
Moderne Systeme ermöglichen es heute, potenzielle Fehlerquellen bereits laufend zu erkennen und nicht erst im Zuge einer Betriebsprüfung.
TPA-Tipp: Vorbereitung ist entscheidend!
Unsere Erfahrung zeigt, dass Unternehmen, die ihre umsatzsteuerlichen Prozesse regelmäßig überprüfen, erleben Vorhalte und Außenprüfungen deutlich entspannter und müssen damit mit wesentlich geringeren Kosten rechnen. Für uns zählen zu diesen nicht nur die Nachzahlungen im Rahmen von Außenprüfungen, sondern auch die Kosten, die mit der nachträglichen Aufbereitung der Unterlagen verbunden sind.
TPA empfiehlt:
- Durchführung eines VAT Health Checks
- Simulation einer Betriebsprüfung („Mock Audit“ *)
- Nachschärfung kritischer Themenbereiche (zB internationales Geschäft)
* Ein Mock Audit ist eine Betriebsprüfung ohne Finanzamt – aber mit denselben Fragen.
Wie läuft ein Mock Audit typischerweise ab?
Inhaltlich orientiert sich das Mock Audit stark an dem, was auch in einer echten Prüfung passiert:
- Analyse der Umsatzsteuerdaten (UVA, ZM, Jahreserklärung)
- Durchsicht von kritischen Transaktionen
- Prüfung von Rechnungen und Nachweisen
- Bewertung von Prozessen und Abläufen
- Identifikation typischer Fehlerquellen (zB Reverse Charge, igL etc.)
Gerade moderne Ansätze nutzen dabei zunehmend systematische Datenanalysen und Verprobungen, wie sie auch in internen VAT-Kontrollsystemen vorgesehen sind.
Resümee
Betriebsprüfungen im Umsatzsteuerbereich sind heute weit mehr als reine Belegprüfungen. Sie stellen die gesamte Organisation und die zugrunde liegenden Prozesse auf den Prüfstand. Wer das ernst nimmt und systematisch steuert, reduziert nicht nur Risiken, sondern gewinnt wesentlich an Effizienz, Transparenz und Sicherheit.
TPA-Tipp: Vorsorgen ist wesentlich besser und kostengünstiger!
- Prozesse optimieren
- Risiken frühzeitig identifizieren
- Bestmögliche Vorbereitung auf Betriebsprüfungen
Die TPA Berater:innen unterstützen Sie dabei gerne!