Brexit: Umsatzsteuer und Zoll

31. Jänner 2020 | Lesedauer: 2 Min

Brexit: Umsatzsteuer und Zoll. PuzzleTeile mit Europäischer Flagge

Austritt des „United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland“ aus der EU – Alle haben unterschrieben; was heißt das für mich?

Eines ist sicher, die Mitgliedschaft des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland in der EU ist mit 1. Februar 2020 00:00 Geschichte. Ziemlich alles andere ist unsicher, aber erst ab 01.01.2021. Bis dahin – nämlich innerhalb der elfmonatigen Übergangsphase – ändert sich für Ihr Geschäft mit UK, zumindest aus zoll- und umsatzsteuerlicher Sicht, NICHTS:

  • Die Rechnungen für Ihre Geschäfte mit UK können Sie – sofern sie bisher richtig waren – ohne Änderungen weiterhin gleich ausstellen.
  • Die Lieferung von Waren von Österreich nach UK ist bei Vorliegen der Voraussetzungen eine steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung mit den entsprechenden Nachweispflichten.
  • Ein Verbringen von Waren des Unternehmens aus Österreich zur eigenen Verfügung nach UK ist bei Vorliegen der Voraussetzungen ein innergemeinschaftliches Verbringen.
  • Der Erwerb einer Lieferung von UK in Österreich ist ein innergemeinschaftlicher Erwerb.
  • Eine dem innergemeinschaftlichen Versandhandel unterliegende B2C-Warenlieferung von Österreich nach UK kann bei Nichtüberschreiten der britischen Lieferschwelle weiterhin in Österreich versteuert werden.
  • Innergemeinschaftliche Lieferungen und Verbringen sowie der Generalnorm unterliegende Dienstleistungen, deren Leistungsort in UK liegt und für die das Reverse Charge System anzuwenden ist, sind weiterhin in der Zusammenfassenden Meldung zu erfassen.
  • Britische UID-Nummern sind weiterhin gültig und somit auf ihre Gültigkeit zu überprüfen.
  • Die seit 1.1.2020 geltenden EU-weiten Neuregelungen zu
    • innergemeinschaftlichen Lieferungen,
    • Reihengeschäften und
    • Konsignationslagern

sind auch im Verhältnis zu UK anzuwenden.

  • Für Dienstleistungen gelten weiterhin die gewohnten Leistungsortbestimmungen.
  • Für Telekommunikations-, Rundfunk-, und Fernsehdienstleistungen kann weiterhin der Mini-One-Stop-Shop (MOSS) genutzt werden.
  • In UK anfallende Vorsteuern sind – sofern nicht das Veranlagungsverfahren anzuwenden ist – weiterhin über das EU-einheitliche Erstattungsverfahren bis zum 30.09. des Folgejahres geltend zu machen.
  • Das Abkommen sieht jedoch vor, dass etwaige Vorsteuer-Vergütungsanträge für das Jahr 2020 von EU-Unternehmern im Vereinigten Königreich und umgekehrt bereits bis zum 31. März 2021 einzureichen sind.
  • Umsatzsteuerliche Registrierungen, die Unternehmer bereits rein vorsorglich im Vereinigten Königreich für die Zeit nach dem Brexit beantragt haben, sind während der Übergangsphase unbeachtlich und werden erst anschließend wirksam.
  • Auch zollrechtlich ändert sich nichts – jedenfalls bis zum 31.12.2020. Daher empfehlen wir, dass vorsorglich beantragte EORI Nummern in UK bis zur Einführung eines Zolls zwischen der EU und UK nicht verwendet werden, weil die EU nur eine (!) EORI Nummer vorsieht. Damit können unvorhergesehene Überraschungen aufgrund von Rechtsunsicherheiten vermieden werden.

Zusammenfassung

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass

  • das EU-einheitliche Zollrecht sowie
  • die Mehrwertsteuersystemrichtlinie und
  • alle die Umsatzsteuer betreffenden Regelungen

aufrecht bleiben.

Was nach dem 31.12.2020 wirklich kommt, steht noch in den Sternen, auch eine Verlängerung der Übergangsfrist ist möglich.

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