Das EAG 2020 aus Sicht der Photovoltaik

5. Mai 2021 | Lesedauer: 5 Min

Energie Erneuerbare TPA Steuerberatung PV Solar Photovoltaik

Aktuelle EAG-Förderungen für Photovoltaik

Österreichs Gesamtstromverbrauch soll bis 2030 bilanziell zu 100% aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt werden. Bis 2040 soll zudem eine vollständige Klimaneutralität erreicht werden. Zur Realisierung dieser äußerst ambitionierten Ziele möchte der Gesetzgeber im Rahmen (der derzeit vorliegenden Ministerialvorlage) des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes (EAG) gezielte Maßnahmen umsetzen. Die darin enthaltenen Förderungen umfassen Photovoltaik, Windenergie, Wasserkraft sowie Biomasse. Insbesondere Photovoltaik wird bei der Zielerreichung eine große Rolle spielen: bis 2030 sollen 1.000.000 Dächer mit PV-Anlagen ausgestattet worden sein und 11 Terawattstunden (TWh) Strom zusätzlich aus PV erzeugt werden.

1. Überblick des EAG 2020

Obwohl der Begutachtungsentwurf bereits im Herbst 2020 vorlag, wurde das EAG 2020 erst Ende März 2021 im Ministerrat beschlossen. Es bringt eine zweigleisige Förderungsmöglichkeit für die Errichtung/Erweiterung bzw. den Betrieb von Anlagen zur Strom-Produktion aus erneuerbaren Quellen.

Dieser Beitrag wird in erster Linie auf die Förderung von Photovoltaik eingehen, da diese die höchste Massentauglichkeit aufweist und darüber hinaus in der Regel wenig Konflikte mit Natur- und Landschaftsschutz verursacht. Die Förderprinzipien bzw. Voraussetzungen der genannten Energiequellen sind jedoch weitgehend ähnlich.

2. Direkte Investitionsförderungen für Photovoltaik-Anlagen

Förderfähig sind (Erweiterungs-)Investitionen in PV-Anlagen mit einer Engpassleistung von bis zu 1.000 kWpeak bei den u.a. Arten der Errichtung:

  • auf oder an einem Gebäude oder einer baulichen Anlage, das oder die zu einem anderen Zweck als der Nutzung von Solarenergie errichtet wurde,
  • auf einer befestigten Fläche, Eisenbahnanlage, Deponie oder Abfallentsorgungsanlage
  • auf einer landwirtschaftlich genutzten Fläche oder einer Fläche im Grünland (Widmung notwendig, wenn insgesamt installierte Engpassleistung über 100 kWpeak). Zum Vergleich: eine auf einem durchschnittlichen Einfamilienhaus montierte PV-Anlage hat eine Engpassleistung von etwa 5-10 kWpeak.

Förderungen für Stromspeichereinrichtungen

Zusätzlich förderfähig sind Stromspeichereinrichtungen: Sollte die installierte Anlage insgesamt über einen Stromspeicher von mindestens 0,5 kWh pro kWpeak installierter Engpassleistung verfügen, kann ein Zuschuss für bis zu 50 kWh Speicherkapazität gewährt werden. Eine ausschließliche Förderung einer Speichereinrichtung ist laut den Erläuterungen zur Ministerialvorlage jedoch nicht möglich.

Jährlich sollen folgende Volumina für Investitionen zur Verfügung stehen:

  • PV-Anlagen und Stromspeicher mindestens EUR 60 Mio.;
  • Windkraftanlagen: mind. EUR 1 Mio.;
  • Anlagen zur Erzeugung von erneuerbarem Gas: mind. EUR 30 Mio.;
  • Anlagen zur Umwandlung von Strom in Wasserstoff oder synthetisches Gas: mind. EUR 50 Mio.;
  • Umrüstung bestehender Biogasanlagen: mind. EUR 20 Mio.

Wie erhält man die Förderungen?

Abgewickelt wird die Investitionsförderung über Fördercalls (Zeitfenster für Anträge) durch die EAG Förderabwicklungsstelle. Nach Abschluss des Fördervertrags mit der Abwicklungsstelle ist die betreffende Anlage innerhalb von 12 Monaten in Betrieb zu nehmen. Hinsichtlich der Details über die Durchführung und Inhalte des Fördervertrags wird im EAG eine diesbezügliche Verordnung angekündigt.

Die Förderhöhe ist dabei wie folgt geregelt: für PV-Anlagen bis 10 kWpeak mit oder ohne Stromspeicher werden per Verordnung fixe Fördersätze normiert (jedoch max. 30% der gesamten Investitionskosten). Für alle anderen Anlagen (mit oder ohne Stromspeicher) bis zu einer Engpassleistung von 1.000 kWpeak sollen höchstzulässige Fördersätze festgelegt werden.  Anlagen mit mehr als 1.000 kWpeak werden hingegen nicht gefördert.

TPA Tipp zu den Förderungen

Zusätzlich gilt: für auf Freiflächen errichtete Anlagen (siehe dritter Aufzählungspunkt oben) erfolgt ein genereller Abschlag des Zuschusses von 25% (Abschlagshöhe durch Verordnung abänderbar). Im Falle von gebäudeintegrierten Anlagen und besonders innovativen Projekten kann hingegen ein Zuschlag von 30% gewährt werden.

3. Die Marktprämie

Ziel der in § 9 EAG verankerten Marktprämie ist es, die Differenz zwischen den Produktionskosten von Strom aus erneuerbaren Quellen und dem Marktpreis für Strom bei Einspeisung auszugleichen. Die Fördervoraussetzungen in § 10 EAG normieren, dass die Prämie sowohl auf neu errichtete als auch erweiterte PV-Anlagen (jeweils mit einer Engpassleistung von mehr als 10 kWpeak) anwendbar ist. Für eine Übersicht der Errichtungsmöglichkeiten verweisen wir auf die Aufzählung im Abschnitt zu Investitionsförderungen.

Um korrekte Messungen und Aufzeichnungen zu gewährleisten, wird vorausgesetzt, dass die jeweilige Anlage mit intelligenten Messgeräten ausgestattet ist.

Die Vergabe der Förderung soll durch Ausschreibungen (mind. 2 pro Jahr) stattfinden. Auf Basis der Eckpunkte der Online-Ausschreibung (u.a. die Art der Energiequelle, das Ausschreibungsvolumen, der Höchstpreis für die Marktprämie sowie die allgemeinen Fördervoraussetzungen) können sich Interessierte melden, formal ein Gebot einreichen und in weiterer Folge einen Fördervertrag (mit darin enthaltenem Zuschlagswert) mit der Abwicklungsstelle abschließen. Für PV-Anlagen soll das Ausschreibungsvolumen dabei jährlich mindestens 700.000 kWpeak betragen. Zu beachten gilt, dass bei Gebot bzw. bei Zuschlag eine Sicherheitsleistung für etwaige Pönalen bei der Abwicklungsstelle zu hinterlegen ist (Sicherheitsleistung bei Zuschlag = EUR 50 * Gebotsmenge in kWh * kWpeak).

Wir wird die Marktprämie berechnet?

Die Marktprämie/kWh ergibt sich somit aus der Differenz von Zuschlagswert (auch „anzulegender Wert“ genannt) und dem Referenzmarktpreis. Dieser Betrag (angegeben in Cent/kWh) ist daher nicht konstant, sondern wird monatlich auf Basis des sich verändernden Referenzmarktwertes neu ermittelt.

Relevant für die Berechnung der gesamten Marktprämie ist folglich die errechnete Prämie pro kWh sowie die in einem Monat ins öffentliche Elektrizitätsnetz eingespeiste Strommenge. Dabei darf die im Fördervertrag vereinbarte Engpassleistung (angegeben in kWpeak, siehe oben) nicht überschritten werden. Eine spezifische Obergrenze für die Engpassleistung ist im Gesetz jedoch nicht normiert und wird wohl erst mittels Verordnung bzw. spätestens bei der Ausschreibung festgelegt.

Nochmals ist darauf hinzuweisen, dass sich der aus dem Ausschreibungs- und Bieterverfahren ergebende Zuschlagswert bzw. anzulegender Wert gemäß § 33 EAG für auf Freiflächen errichtete Photovoltaikanlagen um einen 25%igen Abschlag nach unten korrigiert wird (auch hier: die Abschlagshöhe kann durch Verordnung abgeändert werden).

Die Auszahlung der Marktprämie erfolgt monatlich durch die EAG-Förderabwicklungsstelle. Diese beginnt ab Nachweis der Inbetriebnahme der Anlage bzw. der Anlagenerweiterung. Laut Gesetz wird die Marktprämie für maximal 20 Jahre gewährt.

3. Hinweis: Abgrenzung zu selbst erzeugter und verbrauchter Energie

Die o.a. Ausführungen beschränken sich auf selbst erzeugte und ins öffentliche Elektrizitätsnetz eingespeiste Energie. Für den selbst verbrauchten Anteil ist die Marktprämie jedenfalls nicht anwendbar. Dafür gibt es andere Vergünstigungen: Wir verweisen auf unseren Beitrag Photovoltaikanlagen: Befreiung von der Elektrizitätsabgabe für Eigennutzung.

4. Fazit zum EAG 2020

Das Erneuerbare-Ausbau-Gesetz bringt große Neuerungen und Chancen hinsichtlich Erzeugung, Speicherung, Verbrauch und Verkauf von Energie aus erneuerbaren Quellen. Hervorzuheben ist vor allem das neuartige Konzept einer Marktprämie, welches die im  Ökostromgesetz 2012 bestehenden Einspeisetarife langfristig ablösen wird und die Einspeisung und Direktvermarktung von (Überschuss-)Energie attraktivieren soll.

Neben den im Beitrag genannten Neuerungen des EAG, sind insbesondere die stark veränderten Rahmenbedingungen für Energiegemeinschaften hervorzuheben. Diese bringen viele neue Fragestellungen hinsichtlich Regulatorik sowie steuer- und gesellschaftsrechtlicher Behandlung bzw. Strukturierung, die Sie hier nachlesen können: Energiegemeinschaften des EAG

 

 

 

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