Face to Face mit Univ. Prof. Dr. Bernhard Felderer

10. Juni 2015

V.l.n.r.: Univ. Prof. Dr. Bernhard Felderer, Gastgeberin Mag. Karin Fuhrmann (TPA Steuerberatung) und Chefredakteur Rainer Nowak
Fotonachweis: TPA /Faruk Pinjo

TPA, eines der führenden Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungs-unternehmen in Mittel- und Südosteuropa, lud am Dienstag, den 9. Juni 2015, im Rahmen der hochkarätig besetzten Veranstaltungsreihe „Face to Face“ in die Räumlichkeiten des Palais Todesco in Wien. Rund 50 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Medien folgten der Einladung.

Univ. Prof. Dr. Bernhard Felderer, Präsident des Fiskalrates Austria, gab im kurzweiligen Interview mit „Presse“-Herausgeber und Chefredakteur Rainer Nowak einen interessanten Einblick in die derzeitige steuerpolitische und volkswirtschaftliche Situation Österreichs, übte Kritik an der aktuellen Steuerreform und mahnte Versäumnisse des Staates gegenüber privaten Investoren ein.

Bernhard Felderer nennt Gründe für fehlenden wirtschaftlichen Aufschwung

„Jedenfalls seit 2009, also seit sechs Jahren befinden wir uns in der Krise und im Moment sind wir in einer sehr schlechten Phase“ und das, so Felderer, obwohl es wichtige positive Faktoren gibt, die eigentlich für einen wirtschaftlichen Aufschwung sorgen sollten, nämlich einen niedrigen Ölpreis sowie geringe Zinsen und für Exporte günstige Wechselkurse.

Schlechte Rahmenbedingungen für Investoren

Laut Felderer hat Österreich vor allem ein Strukturproblem und es fehlt massiv an privaten Investitionen. „Der Wohlstand kommt von denen, die investieren“, aber Österreich ist ein Land mit einer sehr aggressiven Haltung gegenüber Unternehmen, strengen Umweltauflagen, hohen Energiekosten und einer sehr hohen Abgabenquote. „Wir sind Weltmeister in der Besteuerung unserer Bevölkerung“, merkt Felderer kritisch an.

Österreich hat an Reputation verloren

Die Begeisterung für Privatinvestoren, in Österreich zu investieren, fehlt, denn der Staat hat an Verlässlichkeit verloren. In der jüngsten Vergangenheit, erklärt Felderer, wurden mehrfach auch rückwirkende Veränderungen im Steuersystem eingeführt. In Deutschland etwa würde das nicht akzeptiert, mit ein Grund, warum es für Investoren ein attraktiverer Markt ist. Die Reputation Österreichs leidet auch sehr aufgrund der Causa Hypo, sodass Österreich derzeit von manchen besonders kritischen Investoren auch als „Griechenland der Alpen“ angesehen wird. Hinzu kommt der Verlust des Triple A Ratings bei zwei der drei großen US-Ratingagenturen.

Kritik an der aktuellen Steuerreform

Positiv bewertet Felderer die Senkung der Lohn- und Einkommensteuer durch das neue Tarifmodell. „Das war längst fällig“ erklärt Felderer, allerdings hätte er sich für Österreichs Wirtschaft vor allem eine Senkung der Lohnnebenkosten gewünscht. Die Gegenfinanzierung sei ein Problem und es gibt Bereiche, in die der Staat in der Vergangenheit zu wenig investiert hat. Das betrifft vor allem den Bildungssektor, das Pensions- und das Pflegesystem. Hier besteht akuter Handlungsbedarf, warnt Felderer, denn staatliche Investitionen in diesen Bereichen sind nötig, um für die Zukunft gerüstet zu sein und aus der Krise zu kommen.

An der angeregten Diskussion im Anschluss an das Interview und beim anschließenden Netzwerken beteiligten sich u.a. Maria-Pia Kothbauer-Liechtenstein, Botschafterin des Fürstentums Liechtenstein, KR Brigitte Jank, Abgeordnete zum österreichischen Nationalrat, Dr. Anton Bondi, Bondi Immobilien-Consulting, Dr. Christian Dorda, Dorda Brugger Jordis Rechtsanwälte, KR Prof. Alfons Metzger, MRG Metzger Realitäten, Dr. Benedikt Spiegelfeld, CHSH Cerha Hempel Spiegelfeld Hlawati Rechtsanwälte, Mag. Ernst Vejdovszky, S Immo AG, Dr. Michael Weihs, ATV Privat TV und viele mehr.

Fotonachweis: TPA /Faruk Pinjo

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