Face to Face mit Karim El-Gawhary

20. Mai 2016

V.l.n.r.: Gastgeber Mag. Leopold Brunner, TPA Horwath und Nahost-Experte Karim El-Gawhary
Fotonachweis: TPA /Faruk Pinjo

TPA lud am Donnerstag, den 19. Mai 2016, im Rahmen der hochkarätig besetzten Veranstaltungsreihe „Face-to-Face“ in die Räumlichkeiten des Palais Todesco in Wien. Rund 60 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Sport und Medien folgten der Einladung.

Karim El-Gawhary, Nahost-Experte, ORF Korrespondent und Journalist des Jahres 2013 schilderte im Interview mit „Presse“-Herausgeber und Chefredakteur Rainer Nowak seine Einschätzungen und Erfahrungen zum Thema „Völker auf der Flucht – eine Zerreißprobe für die Politik“. Er übte vor allem Kritik an der nicht vorhandenen europaweiten und globalen Solidarität. Es gäbe derzeit keine Flüchtlingskrise, sondern „eine Krise der Flüchtlingspolitik“, so El-Gawhary.

Heute wirtschaftlich schlechtere Situation in Ägypten als 2011

Zum Thema der Auswirkungen des arabischen Frühlings meinte El-Gawhary: „Seit fünf Jahren erlebt Ägypten eine Achterbahnfahrt“. Er schätzt die aktuelle wirtschaftliche und politische Situation Ägyptens heute deutlich schlechter ein als vor dem arabischen Frühling. Auf die Frage, wie Ägypten in fünf bis zehn Jahren aussehen werde, meint der Nahost-Experte: „Das ist schwierig. Ich kann nicht einmal sagen, wie es in Ägypten in sechs Monaten aussehen wird.“ El-Gawhary berichtet, dass seine journalistische Tätigkeit schwieriger und gefährlicher wurde. Aber nicht nur für ihn als Journalisten ist die aktuelle Situation in Ägypten heikler und angespannter – es betrifft die gesamte Bevölkerung.

Europa ist immer Teil des Problems

Auf die Frage, wohin das alles führen werde und ob Europa in der Vergangenheit Fehler in Bezug auf den Konflikt in der arabischen Welt begangen hätte, antwortet El-Gawhary kurz und deutlich: „Ja, Europa ist immer auch Teil des Problems.“ Europa habe viel zu lange Diktaturen in der arabischen Welt unterstützt. Sei es nun mit militärischen Waffen oder mit finanziellen Mitteln, weil Europa „seine Tankstelle“ brauche.

Scheitert Europa oder wächst es an der Flüchtlingswelle

Die Frage sei nicht, wie man die sogenannte Flüchtlingswelle stoppen könne, sondern wie Europa gedenkt, diese zu managen. Diese Aufgabe sei gewiss kein Spaziergang, so El-Gawhary, aber Europa müsse reagieren und sich dieser Aufgabe stellen und das vor allem gemeinsam. Es ist kein österreichisches, deutsches oder italienisches Problem – es ist ein europäisches und globales Problem.

Erfolgreiche Integration durch Bildung und Sprache

El-Gawhary nahm Bezug auf die Versäumnisse und Missstände in der aktuellen Flüchtlingspolitik und beim wichtigen Thema Integration. Für die erfolgreiche Integration von Flüchtlingen braucht es vor allem Bildung, Sprache und Toleranz. Flüchtlinge – das sind Menschen mit oftmals dramatischen Einzelschicksalen, diesen sollte man jedenfalls auf Augenhöhe begegnen und nicht von oben herab, ergänzte El-Gawhary.

An der angeregten Diskussion im Anschluss an das Interview und beim anschließenden Netzwerken beteiligten sich u.a. Ex-Golfprofi Mag. Markus Brier, Mag. Bruno Demol, Eurofoam, Dr. Christine Dietz, Binder Grösswang Rechtsanwälte, Wolfgang Fischer, Wiener Stadthalle, Dr. Norbert Griesmayr, VAV Versicherungs-AG, Ex-ORF Nachrichtensprecher Gerald Groß, gross:media, Dr. Helmut Hardt, Wiener Privatbank, Mag. Claudia Steegmüller, Taylor Wessing, Walter Thiem, Müller Martini Eastern Europe, Mag. Günther Thumser, Henkel Central Eastern Europe, DI Dr. Hans Zavesky, Schrack Seconet AG und viele mehr.

Fotonachweis: TPA /Faruk Pinjo

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