Wohnortwechsel von Russland nach Österreich: Was steuerlich zu beachten ist

12. September 2018

Ein Umzug von Russland nach Österreich hat wesentliche steuerliche Auswirkungen. Wer rechtzeitig plant, kann sich Geld und Unannehmlichkeiten ersparen.

Schon vor einer geplanten Übersiedelung von einem Land ins andere sollte man sich mit den steuerlichen Konsequenzen des Wohnortwechsels befassen. So kann man einer zu hohen Steuerbelastung im neuen Heimatland entgegenwirken. Doppelbesteuerungsabkommen helfen, Zweifachbelastungen zu vermeiden.

Was ist im Vorfeld abzuklären, wenn man von Russland nach Österreich zieht?

Auch beim Umzug russischer Staatsbürger nach Österreich spielt der sogenannte „Mittelpunkt der Lebensinteressen“ eine entscheidende Rolle. Zieht ein russischer Staatsbürger nach Österreich, so gilt es, vorab zu prüfen: Scheidet der Steuerpflichtige ganz aus der russischen Steuerpflicht aus? Tritt er damit in die unbeschränkte Steuerpflicht in Österreich ein – und ab wann genau?

In manchen Fällen bleibt nämlich auch nach dem Wegzug eine beschränkte Steuerpflicht in Russland bestehen. Das ist zB der Fall, wenn nach dem Umzug Einkünfte aus russischen Quellen bezogen werden, etwa aus Bankzinsen auf russischen Bankkonten, Dividenden einer russischen Kapitalgesellschaft, Mieterlöse aus einem russischen Grundstück usw.

Österreich steuerlich teurer als Russland

Zu beachten ist, dass eine unbeschränkte Steuerpflicht in Österreich kaum Vorteile im Vergleich zu Russland bringt. Denn die durchschnittliche Steuerbelastung für natürliche Personen ist in Österreich viel höher.

Ein Beispiel: Die Einkünfte aus Bankzinsen auf russischen Bankkonten sind in der Regel in Russland steuerfrei. Ausgenommen sind nur Bankzinssätze, die über eine gewisse Höhe hinausgehen – zB wenn der Zinssatz eines Fremdwährungskontos mehr als 9 % p.a. beträgt – was aber selten zutrifft. Nach dem Umzug nach Österreich und dem Eintritt in die unbeschränkte Steuerpflicht werden diese Zinsen aber in voller Höhe besteuert, nämlich mit dem Steuersatz von 25%. Die Steuerpflichtigen müssen in diesem Fall den Zinsbetrag selbst ausrechnen und dem Finanzamt in der Einkommensteuererklärung offenlegen.

Auch bestimmte Einkünfte wie beispielsweise aus privaten Darlehen, die in Russland an russische Darlehensnehmer vergeben werden, können sich nach dem Umzug steuerlich nachteilig auswirken. Bei dieser Einkunftsart kann unter bestimmten Voraussetzungen mehr als die Hälfte der Zinseinkünfte in der Praxis der Steuer zum Opfer fallen.

Doppelbesteuerungsabkommen bringt Klarheit

Das Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zwischen Russland und Österreich hilft, steuerliche Doppelbelastungen zu vermeiden. Wichtig dabei: Steuerpflichtige sollten rechtzeitig Bestätigungen über ihre tatsächliche steuerliche Ansässigkeit einholen und aktiv mit den Steuerbehörden kommunizieren.

Denn ob und inwieweit eine bestimmte Einkunftsart von der Besteuerung in dem einen oder dem anderen Land teilweise oder komplett ausgenommen werden kann, hängt von der jeweiligen Einkunftsart ab. Verfügen beide Staaten über das Besteuerungsrecht, können die ausländischen Steuern normalerweise auf die inländische Steuerlast angerechnet werden und diese dann entsprechend reduzieren.

Bezieht die Person zudem noch Einkünfte aus weiteren Ländern, müssen in jedem einzelnen Fall die Besteuerungsregeln im jeweiligen Land und das entsprechende DBA mit Österreich geprüft werden. Denn der Wechsel des Steuerdomizils wirkt sich unmittelbar darauf aus, wo und in welcher Höhe Steuern auf Einkünfte, die aus den Drittländern stammen, bezahlt werden müssen.

Immobilien in Russland als Kostenfaktor

Heikel sind auch die Fragen rund um die zurückgebliebenen Immobilien in Russland: wie viel Steuern sind in diesem Fall zu zahlen? Steht den russischen Staatsbürgern nach dem Wegzug noch eine Begünstigung beim Verkauf der Eigenheime in Russland zu? Scheidet man aus dem Anwendungsbereich des nur 13%igen Einkommensteuersatzes in Russland aus?

Damit würden die Einkünfte aus der Immobilienveräußerung dann dem viel weniger attraktiven Steuersatz für Nicht-Einwohner in Höhe von 30% unterliegen.

Gemäß dem DBA zwischen Russland und Österreich sind die Einkünfte aus der Veräußerung von Immobilien von der Besteuerung in Österreich zwar ausgenommen. Sie können sich aber negativ auf die anderen Einkünfte auswirken, die dem österreichischen progressiven Steuertarif unterliegen, indem der effektive Steuersatz höher wird.

Bei Steuerverletzungen: Selbstanzeige muss rechtzeitig erfolgen

Hat eine neu nach Österreich zugezogene Person aus Unwissenheit oder anderen Gründen die Steuerpflichten in Österreich vernachlässigt, liegt ein strafbarer Gesetzesverstoß vor. In diesem Fall besteht eine Möglichkeit, die negativen Konsequenzen abzuwehren indem eine Selbstanzeige erstattet wird.

Die Selbstanzeige entfaltet strafbefreiende Wirkung, aber nur unter der Voraussetzung, dass sie rechtzeitig eingebracht wird. Rechtzeitigkeit bedeutet, dass noch keine – dem Täter bekannte – Tatentdeckung vorliegt und noch keine Verfolgungshandlungen gesetzt worden sind.

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