Update Kryptowährungen – Wartungserlass 2018

19. Juni 2018

Aus dem mit Jahresbeginn 2018 veröffentlichten Entwurf des Wartungserlasses zu den Einkommensteuerrichtlinien waren grundlegende Änderungen im Bereich der Besteuerung von Kryptowährungen herauszulesen (Wegfall der einjährigen Spekulationsfrist und Einstufung von Kryptowährungen in das steuerliche Kapitalvermögen, siehe unseren Newsletter 2/2018). Das BMF hat diese Ausführungen dann (mehr oder weniger) zurückgenommen, dennoch bestand in den letzten Monaten bei den betroffenen Steuerpflichtigen einige Unsicherheit hinsichtlich der Besteuerung ihrer Kryptowährungsgewinne.

Mit 28.5.2018 wurde nunmehr der Wartungserlass 2018 veröffentlicht. Das Wichtigste vorweg: es bleibt (fast) alles beim Alten, insbesondere bleibt es derzeit bei der Anwendbarkeit der einjährigen Spekulationsfrist im Privatvermögen. Punktuelle Neuerungen – die lediglich den Ausnahmefall der zinstragenden Veranlagung betreffen – finden sie weiter unten.

Dieser Beitrag gibt Ihnen einen aktuellen Überblick über einige in der steuerlichen „Kryptowelt“ wesentliche Teilbereiche, nämlich „Mining“, Transaktionen und ICOs.

1. Die besten Steuertipps zum Mining von Kryptowährungen

Sie haben vor in Bitcoins oder Kryptowährungen zu investieren? Unsere Steuerexperten haben alles, was Sie steuerlich über Bitcoins, ICOs, Trading und Mining von virtuellen Währungen wissen sollten, hier zusammengefasst. Bitte beachten Sie, dass es steuerlich jederzeit zu Änderungen kommen kann, weswegen Sie einen Steuerberater, der sich auf Kryptowährungen spezialisiert hat, kontaktieren sollten.

1.1 Ertragsteuern beim Mining

Werden neue Einheiten von Kryptowährungen „erschaffen“ (sog. „Mining“ oder „Schürfen“), liegt ertragsteuerlich eine gewerbliche Tätigkeit vor – wenn die entscheidenden Kriterien Selbstständigkeit, Nachhaltigkeit, Gewinnabsicht und Beteiligung am wirtschaftlichen Verkehr gegeben sind (das Vorliegen dieser Kriterien wird aber von der Finanz in der Regel „vermutet“). Die steuerpflichtigen Einkünfte aus der Mining-Tätigkeit ergeben sich nach h.A. aus dem Marktwert der „erschaffenen“ Einheiten an Kryptowährungen abzüglich der damit in Verbindung stehenden Betriebsausgaben (zB Stromkosten und Abschreibung der speziellen Mining Hardware). Alternativ wird auch die Meinung der Aktivierung der Kryptowährungen zu Herstellungskosten vertreten.

Achtung! Rechtliche Unsicherheit wegen dem Wartungserlass 2018
Der Wartungserlass 2018 trifft leider keine Aussagen darüber, ob bzw. wie eine mögliche Abgrenzung zwischen „gewerblichen“ Mining und „privaten“ Mining möglich ist, sondern belässt es bei der pauschalen Einstufung von Mining als gewerblicher Tätigkeit. Für die Praxis wäre aber zB beim Cloud-Mining eine Abgrenzung uE sinnvoll und notwendig.

1.2 Umsatzsteuer beim Minen von Kryptowährungen

In der Umsatzsteuer ist das Kryptowährungs-Mining nach Ansicht der Finanzverwaltung mangels identifizierbarem Leistungsempfänger nicht steuerbar.

1.3 Bilanzierung: Wie bilanziert man Mining von Kryptowährungen richtig?

Kryptowährungen sind nicht als Währung anerkannt und gelten daher als ein dem Finanzvermögen vergleichbares Wirtschaftsgut.

Die erschaffenen Kryptowährungseinheiten, welche als immaterieller Vermögensgegenstand einzustufen sind, sind nach vorherrschender Ansicht mit dem Marktwert bzw. Börsenkurs im Zeitpunkt des Zugangs zu bewerten. Dabei ist eine Zuordnung zum Anlage- oder Umlaufvermögen zu treffen. Die generellen unternehmensrechtlichen Bewertungsvorschriften sind hierbei zu beachten: Bei Kursverlusten gilt strenges Niederstwertprinzip im Umlaufvermögen, im Anlagevermögen muss eine Abschreibung bei voraussichtlich dauernder Wertminderung erfolgen (freiwillig, wenn voraussichtlich nicht von Dauer). Bei Kursgewinnen gilt eine Zuschreibungspflicht bis maximal zum Anschaffungswert.

2. Virtuelle Transaktionen von Kryptowährungen

Beim Tausch von Kryptowährungen erfolgt eine Transaktion, die auch steuerliche Folgen hat, wie unsere Steuerexperten hier zusammengefasst haben:

2.1 Ertragsteuern bei Krypto-Transaktionen

Der Handel zwischen Kryptowährungen ist ebenso wie der Eintausch gegen gesetzliche Währungen bzw. Handelswaren und Dienstleistungen grundsätzlich (Ausnahmen siehe unten) als steuerpflichtiger Tauschvorgang anzusehen. Der Veräußerungserlös und die Anschaffungskosten des erworbenen Wirtschaftsgutes sind mit dem gemeinen Wert des hingegebenen Wirtschaftsgutes bzw. dem Marktwert der Dienstleistung zu bewerten.

Ertragsteuerlich ist bei Transaktionen (wie auch dem Handel von Kryptowährungen) zwischen Betriebsvermögen und Privatvermögen zu unterscheiden:

  • Im betrieblichen Bereich gibt es keine Spekulationsfrist. Hier liegen bei Gewinnen aus Kryptowährungs-Transaktionen immer steuerpflichtige Einkünfte vor und sind mit dem progressiven Einkommensteuertarif zu besteuern. Bei Kapitalgesellschaften fällt die 25%ige KöSt an.
  • Im außerbetrieblichen Bereich sind Spekulationseinkünfte nur innerhalb der einjährigen Spekulationsfrist  zum Tarif mit progressiver Einkommensteuer zu erfassen.

2.2 Wartungserlass 2018: Sondersteuersatz von 27,5%

Nur im Ausnahmefall von zinstragenden Veranlagungen (Verleihung von Kryptowährungen an andere Marktteilnehmer) unterliegen dabei realisierte Wertänderungen dem Sondersteuersatz von 27,5% (so auch der EStR Wartungserlass 2018), anteilige „Zinserträge“ werden zum Tarif versteuert.

Mit dem Wartungserlass 2018 ist nunmehr – aber eben nur für den Ausnahmefall der zinstragenden Veranlagungen – festgeschrieben worden, dass steuerpflichtige Wertsteigerungen nur bei Konvertierung von zinstragenden Kryptowährungen in Euro oder in eine zum Eurowechselkurs stabile Währung dem besonderen Steuersatz von 27,5 % unterliegen. Wechsel zwischen zinstragengenden Kryptowährungen untereinander sind daher – vergleichbar dem Tausch zwischen Fremdwährungsforderungen bzw. -verbindlichkeiten – steuerneutral. Der Wartungserlass 2018 enthält keine Inkrafttretensregelung und ist daher uE ab einschließlich der Veranlagung 2018 anzuwenden.

Der Wartungserlass 2018 lässt weiterhin Fragen offen, wie beispielsweise:

  • Welche „assets“ fallen unter die Regelungen zu Kryptowährungen?
  • Wie sind Airdrops oder eine Fork steuerlich zu behandeln?
  • Welche Aufzeichnungspflichten bestehen für den Handel mit Kryptowährungen?

Nach jüngster Ansicht des Bundesministeriums für Finanzen zur sog. „hard forks“ sind diese Vorgänge mit dem Erhalt eines Bezugsrechts vergleichbar. Demnach gilt der bisherige Anschaffungszeitpunkt des ursprünglichen Kryptowährungsguthabens auch für das neu erhaltene Kryptowährungsguthaben. Die Anschaffungskosten des neu erhaltenen Kryptowährungsguthabens sind dabei mit Null anzusetzen, weshalb der volle Veräußerungserlös – im Privatvermögen nur bei einer allfälligen Veräußerung vor Ablauf der weitergeführten Spekulationsfrist – steuerpflichtig ist.

TPA Tipp: Bei Fragen zu Ihrer Steuererklärung wenden Sie sich an Ihren TPA Steuerberater, der Sie bei der Erstellung der Aufzeichnungen gerne unterstützt.

2.3 Umsatzsteuer bei Transaktionen von Kryptowährungen

Werden gesetzliche Zahlungsmittel zu Kryptowährungen umgetauscht und umgekehrt, ist dies nach Rechtsprechung des EuGH umsatzsteuerlich eine steuerfreie Tätigkeit.

3. Initial Coin Offerings (ICOs)

Ähnlich einem Initial Public Offering (IPO) gibt ein Unternehmen bei einem Initial Coin Offering (ICO) eine bestimmte Anzahl an Token aus und erhält als Gegenleistung Kryptowährungseinheiten oder Fiat-Währungen (zB EUR oder USD), um zB eine Geschäftsidee zu finanzieren. Die Token können dabei verschiedene Rechte übertragen und können grundsätzlich wie folgt gegliedert werden:

  • Counterparty-Tokens, zB
    – Anspruch auf Waren oder Dienstleistungen (Utility-Token)
    ƒƒ- Security-Token
    – Recht auf Umsatz-/Gewinnbeteiligung
    – Recht auf Substanzbeteiligung
  • Non-Counterparty-Tokens
    – reine Wertsteigerung des Token

Beim emittierenden Unternehmen ist die bilanzielle Behandlung stark vom Einzelfall abhängig. Token können – abhängig von den übertragenen Rechten – eine Verbindlichkeit oder Rückstellung, Eigenkapital, Hybridkapital oder einen steuerpflichtigen Ertrag darstellen.

TPA Tipp: Kontaktieren Sie bei Planung eines ICOs rechtzeitig unsere TPA Experten für Kryptowährungen!

TPA Newsletter August 2018
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