Neue EU-Prospekt-Verordnung erleichtert Zugang zu Kapitalmärkten

20. März 2018 | Lesedauer: 2 Min

Was ist die neue EU-Prospekt-Verordnung?

Mit der neuen EU-Prospekt-Verordnung soll speziell kleinen und mittleren Unternehmen der Zugang zu den Kapitalmärkten erleichtert werden. Die aktualisierten Prospektvorschriften der EU sind in Kraft. Mit einem Prospekt informieren Unternehmen insbesondere über die von ihnen begebenen Wertpapiere und über ihre Geschäfts- und Beteiligungsstruktur. Prospekte sind daher eine wesentliche Informationsquelle für Anleger und ein wichtiges Instrument für Unternehmen, die EU-weit auf den Wertpapiermärkten Kapital beschaffen möchten.

Mit den neuen Wertpapierprospektvorschriften werden innerhalb der EU

  • harmonisierte Prospektvorschriften,
  • ein einheitlicher, gleichwertiger Anlegerschutz,
  • ein erleichterter Zugang zu Kapitalmärkten und
  • eine Verringerung des Kosten- und Verwaltungsaufwandes bei der Prospekterstellung geschaffen.

Neue EU-Prospekt-Verordnung

Die neue EU-Prospekt-Verordnung (EU) 2017/1129 ersetzt schrittweise die bisherige Prospektrichtlinie 2003/71/EG und die Prospekt-Verordnung 809/2004/EG und ist vollständig ab 21.7.2019 in allen EU-Mitgliedstaaten für Wertpapierprospekte verbindlich anzuwenden.

Ausnahmetatbestände von der Prospektpflicht erweitert

Folgende Ausnahmen ermöglichen insbesondere kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) einen erleichterten Zugang zum Kapitalmarkt und mehr Spielraum für Crowdfunding:

  • Ab 21.7.2018 entfällt für öffentliche Angebote von Wertpapieren bis zu EUR 1 Mio. die Prospektpflicht.
  • Ab 21.7.2018 haben die Mitgliedstaaten zusätzlich die Option, öffentliche Angebote von Wertpapieren bis zu EUR 8 Mio. über 12 Monate von der Prospektpflicht auszunehmen.
  • Die Mitgliedstaaten dürfen jedoch stattdessen andere „verhältnismäßige“ Offenlegungsverpflichtungen vorsehen.
  • Die Anhebung der prospektfreien Zulassung von gattungsgleichen Wertpapieren über 12 Monate von 10 % auf 20 % der bereits zugelassenen Wertpapiere gilt ab 20.7.2017.
  • Für Mitarbeiterangebote ist ein Sitz in der EU nicht mehr erforderlich.

Verständlichere und schlankere Prospektzusammenfassung

Die Zusammenfassung wird auf eine maximale Länge von sieben DIN A4 Seiten (bislang 15 Seiten oder 7 % des Prospektes) gekürzt und in vier Abschnitte untergliedert, in Anlehnung an das seit 1.1.2018 für bestimmte Anlageprodukte für Kleinanleger und Versicherungsanlageprodukte geltende Basisinformationsblatt PRIIP:

  • Einleitung mit Warnhinweisen (maximal 15 Risikofaktoren),
  • Basisinformationen über den Emittenten,
  • Basisinformation über die Wertpapiere,
  • Basisinformation über das öffentliche Angebot von Wertpapieren und/oder die Zulassung zum Handel an einem geregelten Markt.

Anpassung der Risikofaktoren

  • Begrenzung auf Risiken, die für den Emittenten oder die Wertpapiere spezifisch und im Hinblick auf eine fundierte Anlageentscheidung von wesentlicher Bedeutung sind;
  • Emittent muss die Wesentlichkeit der Risikofaktoren auf Grundlage der Realisierungswahrscheinlichkeit und möglichen negativen Auswirkungen beurteilen (zB „gering“, „mittel“, „hoch“);
  • Begrenzung der Anzahl von Risikokategorien, wesentliche Risiken sind zuerst anzuführen.

Vor allem für kleinere Emittenten sollte die Wertpapierprospekterstellung – sofern diese aufgrund der Anhebung der Schwellenwerte nicht ohnehin entfällt – deutlich vereinfacht werden und damit zu einer spürbaren Kostenentlastung führen.

Weiters ist davon auszugehen, dass die neue Prospekt-Verordnung auch die Darstellung der Zusammenfassung und der Risikofaktoren der Veranlagungsprospekte wesentlich beeinflussen und zu einer Anhebung der Schwellenwerte führen wird.

 

Wenn Sie Fragen zu den neuen Regelungen in Bezug auf Prospekte haben, wenden Sie sich bitte an unsere Experten in Österreich!

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TPA News Die neue EU-Prospektverordnung 2018