Latente Steuern in der Bilanz: neue Regelungen

22. Februar 2017

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Im Dezember 2016 hat das AFRAC mit der überarbeiteten Stellungnahme 30 „Latente Steuern im Jahresabschluss“ Klarstellungen zum Rechnungslegungs-Änderungsgesetz 2014 veröffentlicht. Was sich konkret bei latenten Steuern ändert und wie sich das auf Ihre Bilanzierung auswirkt, lesen Sie hier.

Mit dem Rechnungslegungs-Änderungsgesetz 2014 – RÄG 2014 wurde die Bilanzierung von latenten Steuern an die entsprechende EU-Bilanzrichtlinie angepasst. Im Rahmen des Abschlussprüfungsrechts-Änderungsgesetzes 2016 – APRÄG 2016 und zuletzt im Rahmen der vom AFRAC (Austrian Financial Reporting and Auditing Committee) überarbeiteten Stellungnahme 30  wurden technische Verbesserungen und Klarstellungen zum RÄG 2014 veröffentlicht. Die wichtigsten Neuerungen haben wir für Sie zusammengefasst:

Bilanzierung nach „Temporary Concept“

Das RÄG 2014 legte bei den latenten Steuern die Abkehr vom GuV-orientierten „Timing Concept“ und die Hinwendung zum international üblichen bilanzorientierten „Temporary Concept“ fest.

Im Rahmen der Bilanzierung sind temporäre Differenzen anzusetzen,

  • die sich aus unterschiedlichen unternehmensrechtlichen und steuerrechtlichen bilanziellen Wertansätzen ergeben, und
  • die in späteren Jahren voraussichtlich ausgeglichen werden.
  • Die Erfolgswirksamkeit der temporären Differenzen ist unerheblich.

Aktive und passive Steuerlatenzen sind grundsätzlich zu saldieren, außer die Aufrechnung der tatsächlichen Steuererstattungsansprüche mit den tatsächlichen Steuerschulden ist rechtlich nicht möglich. Je nach Art dieses Saldos ist entweder ein Aktiv- oder ein Passivposten für latente Steuern anzusetzen.

Die aktiven latenten Steuern müssen in einem eigenen Haupt-Posten „D.“ nach den Aktiven Rechnungsabgrenzungsposten ausgewiesen werden.

Passive latente Steuern sind als Rückstellung in der Bilanz auszuweisen.

Mittelgroße und große Kapitalgesellschaften werden durch das neue Konzept verpflichtet, auch aktive Steuerlatenzen in Ansatz zu bringen. Kleine Gesellschaften haben ein Wahlrecht bezüglich des aktivseitigen Ansatzes in der Bilanz. Sie müssen aber bei Ausübung des Wahlrechts die unverrechneten Be- und Entlastungen im Anhang aufschlüsseln. Wird die Option nicht ausgeübt, so muss die volle Rückstellung aus latenten Steuern ohne Saldierung ausgewiesen werden.

Bewertung und Folgebewertung von latenten Steuern

Bei der Bewertung von Steuerlatenzen ist der anzuwendende Steuersatz entscheidend. Sollte zum Zeitpunkt der Bewertung eine zukünftige Änderung des Steuersatzes absehbar sein, so ist gemäß dem Vorsichtsprinzip diese künftige Änderung bereits zu berücksichtigen.

Latente Steuern dürfen nicht abgezinst werden.

Aktive latente Steuern müssen in Folgeperioden auf ihre Werthaltigkeit geprüft werden. Für den Fall, dass eine zukünftige Steuerentlastung nicht oder nur teilweise eintritt, muss die aktive latente Steuer wertberichtigt werden.

Ausschüttungssperre für aktive latente Steuern

Durch das RÄG 2014 und das Abgabenrechtsänderungsgesetz 2015 (AbgÄG 2015) wurden die im UGB geregelten Beschränkungen für Ausschüttungen neu geregelt, insbesondere betreffend Ausschüttungssperre bei Aufwertungsumgründungen.

Die Ausschüttungssperre bei Ausweis eines aktiven Steuerabgrenzungspostens ist wie folgt geregelt: Der Bilanzgewinn einer AG oder GmbH darf nur insoweit ausgeschüttet werden, als die danach verbleibenden, jederzeit auflösbaren Rücklagen zuzüglich eines Gewinnvortrages und abzüglich eines Verlustvortrages dem aktivierten Betrag zumindest entsprechen.

Aktive latente Steuern aus Verlustvorträgen

Unter bestimmten Voraussetzungen können steuerliche Verlustvorträge bei der Berechnung der latenten Steuern berücksichtigt werden. Es müssen überzeugende substanzielle Hinweise vorliegen, dass in den Folgeperioden ein ausreichend positives Ergebnis zur Verfügung steht, für das der Verlustvortrag eine Steuerentlastung ermöglicht. Außerdem besteht die Möglichkeit, steuerliche Verlustvorträge nur in dem Ausmaß zu berücksichtigen, in welchem passive latente Steuern angesetzt sind.

Übergangsbestimmungen des RÄG 2014

Durch das APRÄG 2016 wurde auch klargestellt, dass latente Steuern aus Umgründungen und Kapitalkonsolidierung, die bisher nicht bilanziert werden mussten, bei der Umstellung nicht über die Gewinn- und Verlustrechnung nachzuerfassen sind.

Werden 2016 latente Steuern erstmals angesetzt, gibt es drei verschiedene, gesetzlich vorgesehene Vorgehensweisen:

  • Soforteinstellung der Steuerlatenz in voller Höhe, oder
  • Gleichmäßige Verteilung der erstmalig gebildeten Latenz über längstens 5 Jahre, oder
  • Soforteinstellung der Steuerlatenz in voller Höhe und Verteilung unter Bildung eines aktiven/passiven Rechnungsabgrenzungspostens, der in den nächsten 5 Jahren gleichmäßig verteilt aufgelöst wird.

Latente Steuern: Ausnahmen

Die im RÄG 2014 angeführten Ausnahmen von der Bildung latenter Steuern entsprechenden Regelungen des IAS 12 und müssen daher am konkreten Einzelfall geprüft werden. Die Ausnahmen betreffen insbesondere Beteiligungen und den Firmenwert.

 

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