Erleichterungen für Kleinstkapitalgesellschaften – Micros

29. März 2019

Eine „Kleinstkapitalgesellschaft“ ist unter bestimmten Voraussetzungen mit einer Reihe von Erleichterungen ausgestattet.

Wann liegt eine Kleinstkapitalgesellschaft vor?

Eine Kapitalgesellschaft (AG, GmbH und verdeckte Kapitalgesellschaft) wird als Kleinstkapitalgesellschaft (auch Micro) eingestuft, wenn mindestens zwei der drei nachstehenden Kriterien in den letzten zwei Geschäftsjahren vor dem aufzustellenden Jahresabschluss nicht überschritten wurden:

  • EUR 350.000 Bilanzsumme
  • EUR 700.000 Umsatzerlöse
  • im Jahresdurchschnitt 10 Arbeitnehmer

Investmentunternehmen im Sinne des Investmentfondsgesetz sowie Beteiligungsgesellschaften können keine Kleinstkapitalgesellschaft sein. Unter Beteiligungsgesellschaften („reine Finanzholdings“) fallen auch Gesellschaften, deren Gegenstand (einziger Zweck) im Wesentlichen darauf ausgerichtet ist, Beteiligungen an anderen Unternehmen zu erwerben, zu verwalten und zu verwerten. Eine Holdinggesellschaft, die gesellschaftsrechtlich zur Geschäftsführung verpflichtet ist, zB die Komplementär GmbH bei einer GmbH &Co KG, ist im Regelfall nicht als Beteiligungsgesellschaft anzusehen.

Bei einer Aktiengesellschaft, die Mutterunternehmen ist, sind zur Bestimmung der Größenklasse für den Einzelabschluss die Schwellenwerte auf aggregierter oder konsolidierter Basis zu berechnen.

Bei Um- und Neugründungen treten die Rechtsfolgen der Größenklasse bereits am ersten Abschlussstichtag nach der Um- oder Neugründung ein.

Befreiung von der Erstellung eines Anhangs

Kleinstkapitalgesellschaften brauchen keinen Anhang aufstellen, wenn sie unter der Bilanz folgende zwei Angaben machen:

  • Gesamtbetrag der Haftungsverhältnisse und der sonstigen finanziellen Verpflichtungen, die nicht auf der Passivseite der Bilanz ausgewiesen sind
  • Beträge der den Mitgliedern des Vorstands/ der Geschäftsführung und des Aufsichtsrats gewährten Vorschüsse und Kredite.

Ein Posten der Bilanz, der im Geschäftsjahr und im Vorjahr keinen Betrag ausweist, braucht nicht angegeben werden. Da derzeit noch nicht klar ist, ob diese Erleichterung auch für die Angaben unter der Bilanz gilt, diese aber Voraussetzung für die Nichtaufstellung eines Anhangs sind, wird eine Angabe empfohlen.

Für Kleinstkapitalgesellschaften wird davon ausgegangen, dass der Jahresabschluss mit diesen zwei Angaben unter der Bilanz ein möglichst getreues Bild der Vermögens- Finanz- und Ertragslage vermittelt. Kritisch in diesem Zusammenhang ist zu sehen, dass auch bei wesentlicher Unsicherheit bezüglich der Unternehmensfortführung bzw. bei negativem Eigenkapital keine Erläuterung (mangels Anhangs) erforderlich ist.

Sollte eine Kleinstkapitalgesellschaft von der Erleichterung keinen Gebrauch machen, muss sie zumindest den Anhang einer kleinen Kapitalgesellschaft aufstellen.

Erleichterungen bei Offenlegung und Zwangsstrafen

Der Umfang der Offenlegung beim Firmenbuch reduziert sich bei Kleinstkapitalgesellschaften lediglich auf eine verkürzte Bilanz. Außerdem wurden für den Fall einer verspäteten Einreichung des Jahresabschlusses beim Firmenbuch die Zwangsstrafen halbiert.

Abschlussprüfung, Lagebericht

Eine Kleinst-AG muss zwar keinen Anhang aufstellen, sie ist aber trotzdem von der Pflicht zur Abschlussprüfung (gilt auch für eine aufsichtsratspflichtige Kleinst-GmbH) und der Verpflichtung zur Aufstellung eines Lageberichts erfasst.

 

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